Aktuelle Forschungsberichte / Recent Science Articles


Zusammenstellung von in öffentlich zugänglichen Wissenschaftsportalen erschienen Artikeln über aktuelle Forschungsergebnisse zu Vulkanen und Vulkanausbrüchen.


Santorini, Griechenland, 367 m.

Bohrungen in dem griechischen Archipel haben Spuren einer heftigen Eruption im Mittelalter enthüllt. Die historischen Berichte von dem Ereignis im Jahr 726 waren offenbar nicht übertrieben. Bis vor kurzem nahmen Forscher an, dass man in Santorini erst nach Jahrtausenden wieder mit grösseren Ausbrüchen rechnen müsse. Doch ein internationales Forscherteam hat jetzt Bohrungen und weitere Messungen bei Santorini ausgewertet und ist zu einem anderen Schluss gekommen. Das Team untersuchte vor allem die Überbleibsel eines Ausbruchs aus dem Jahr 726, der von einem Vulkan im Zentrum des Archipels ausging. Die heutige Insel Nea Kameni ist einer der Gipfel des weitgehend unterseeischen Vulkans. Laut einem historischen Bericht über den Ausbruch von 726 sah das Meer damals aus, als ob es kochte, und schwerer Dampf stieg auf. Grosse Mengen an Bimsstein schwammen auf der Wasseroberfläche. Die leichten porösen Gesteinsbrocken erreichten sogar die mehr als 400 km entfernten Dardanellen im Westen der heutigen Türkei. Erstaunlicherweise sind auf der Inselgruppe von Santorini kaum Ablagerungen dieser Eruption zu finden. Bei Bohrungen im Inneren der Caldera stiessen die Wissenschafter auf eine Schicht aus grauem Bimsstein und vulkanischer Asche, die bis zu 40 m dick war. Sie schien von einem einzelnen Vulkanausbruch zu stammen. Zusätzliche seismische Messungen erlaubten es, die Gesamtmenge dieses Materials abzuschätzen. Demnach hat sich ein Volumen von rund 2,7 Kubikkilometern erhalten. Früher dachte man, dass der damalige Ausbruch einen Vulkanexplosivitätsindex von 3 bis 4 hatte. Aus den Messdaten der Expedition konnten die Wissenschafter jetzt berechnen, dass der Index eher bei 5 liegt. Mit einer neuerlichen Eruption wie 1'600 vor Christus ist zwar derzeit nicht zu rechnen, aber ein Ausbruch wie derjenige von 726 könnte sich wiederholen. Es ergaben sich zudem Hinweise auf einen noch mächtigeren Ausbruch als demjenigen vor 1'600 Jahren. Ablagerungen dieses Ausbruchs, die Archaeos Tuffs, vor etwa 520'000 Jahren, wurden auf vier benachbarten Inseln nachgewiesen und Gesteinsströme bewegten sich am Meeresgrund bis in 70 km Entfernung zum Ausbruchszentrum. Die Eruption war etwa sechs Mal stärker als der Ausbruch vor 1'600 Jahren.

Kikai, Ryukyu Islands, Japan, 704 m

Neueste Forschungsergebnisse zum Vulkankomplex Kikai legen nahe, dass dieser küstennahe Unterseevulkan zuletzt vor etwa 7'300 Jahren ausbrach. Die Caldera mit einem Durchmesser von etwa 19 km liegt heute gut 120 m unter der Meeresoberfläche südlich der japanischen Insel Kyushu. In diesem Gebiet schiebt sich die Philippinische Meeresplatte unter die Eurasische Kontinentalplatte. Die Auswertungen der Forschungsarbeiten ergaben, dass bei der Eruption des Kikai bis zu 457 Kubikkilometer vulkanisches Material ausgestossen wurden, was einem Gesteinsvolumen von 133 bis 183 Kubikkilometern entsprcht. Davon liegen heute noch etwa 71 Kubikkilometer am Meeresgrund. Damit erreichte dieser Ausbruch einen Vulkanexplosivitätsindex (VEI)von 7 und ist somit der grösste bekannte Vulkanausbruch innerhalb des Holozäns, der erdgeschichtlichen Epoche der letzten 11'700 Jahre. Die vulkanischen Auswürfe der Kikai-Akahoya-Eruption lagerten sich auf einer Fläche von 4'500 Quadratkilometern um den Krater ab, sowohl auf dem Meeresboden als auch auf nahegelegenen Inseln. Anhand ihrer Verteilung rund um den Krater konnte auch erklärt werden, wie sich der pyroklastische Strom unter Wasser verhielt. Demnach konnte das heisse Gemisch aus Asche, Gasen und Gesteinsbrocken trotz der veränderten Dynamik unter Wasser sogar bergauf Entfernungen von bis zu 40 km zurücklegen.

Samalas, Mount Rinjani, Lombok, Indonesien, 3'726 m

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Phlegräische Felder, Italien, 458 m

Der Supervulkan scheint gemäss aktuellsten Forschungsergebnissen häufiger grosse Eruptionen zu verursachen als bisher gedacht. Zwei grosse Ausbrüche vor 40'000 Jahren sowie vor 15'000 Jahren waren bereits bekannt. Dazwischen schien beim Vulkan Ruhe geherrscht zu haben. Dies erweist sich nach neuesten Forschungen als Trugschluss, denn Wissenschaftler der University of Oxford haben Asche- und Tuffschichten in vielen Meeres- und Seesedimenten, welche eine Fläche von rund 150'000 Quadratkilometern des Mittelmeerraums bedecken, nun dem Vulkan zuordnen können. Diese sogenannte Y3-Tephraschicht wurde demnach vor rund 29'000 Jahren abgelagert und kann auf Grund des enthaltenen vulkanischen Gesteinsglases eindeutig der "Masseria del Monte"-Tuffablagerung zugeordnet werden, welche bei einer Bohrung in einer Gesteinsformation rund 5 km nordöstlich der Campi Phlegrei Caldera entdeckt wurde.

Tatun Volcanic Group, Taiwan, 1'120 m

Ein Team von Forschern der Academia Sinica Institute in Earth Sciences hat eine Langzeitstudie über 3 Jahre zum Vulkankomplex abgeschlossen. Gemäss den Wissenschaftlern befindet sich unter der Erdkruste von Nord-Taiwan in einer Tiefe von etwa 20 km eine aktive Magmakammer mit einr Länge von 15 km und einer Breite von rund 16 km. Im Durchschnitt ereignet sich alle 18 Minuten ein seismisches Ereignis, etwa 150 Erschütterungen pro Monat wurden an den 40 seismischen Messstationen registriert. Die jüngsten Lavagesteine wurden gemäss neuesten Erkenntnissen nicht wie früher angenommen vor 200'000 Jahren sondern vor rund 5'000 Jahren gefördert.

Mate Grande, Chile, 1'280 m

Geologen der Universität Chile haben im chilenischen Gebiet Patagonien einen aktiven Vulkan entdeckt. Die Caldera hat einen Durchmesser von rund 5 km. Die Gesteine werden auf ein Alter von etwa 5'000 Jahren datiert. Der Vulkan liegt auf der Liquine-Ofqui Verwerfung, die in nord-südlicher Richtung über etwa 1'200 km von der Region Bio-Bio zum Golf von Penas verläuft.